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Christlich-Soziales Bildungswerk
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„Dörfer, Jugend, Geschichte – Jugendliche und Heimatforschende untersuchen gemeinsam das SED-Unrecht in ihrer Heimat“ (kurz: Jugend erinnert)

Projektziele und Methoden

Durch gemeinsame Erinnerung, Betroffenheit und das Miteinander auf dem Land sind Schicksalsschläge auf Grund der politischen Veränderungen der DDR-Zeit in den Familien und Gemeinschaften noch heute präsent. Die Kollektivierung in der Landwirtschaft in der DDR hatte gravierende Veränderungen beim Eigentum (Enteignung), bei den Betriebsstrukturen, dem Berufsbild Bauer (zum Landarbeiter) und den Werten, den dieser Berufsstand verkörperte und vertritt, zur Folge. Daraus folgend kam es zu Veränderungen in weiteren Bereichen, wie Sozialem und Kultur. Das SED-Regime nahm Einfluss auf alle Lebensbereiche. Heute bilden noch immer landwirtschaftliche Genossenschaften, GbR‘s, zum Teil auch Familienbetriebe im Haupterwerb, die damalige Entwicklung mit ihren hohen Hektarzahlen landwirtschaftlicher Nutzfläche ab. In den Dörfern und kleinen Städten finden sich zahlreiche baulichen Anlagen, wie z.B. Ställe oder große Silos, die während der Zeit der Kollektivierung errichtet wurden. Der massive Einfluss des SED-Regimes auf staatliche Handlungsweisen bedarf einer Aufarbeitung. Die konkreten Geschehnisse vor Ort dürfen nicht in Vergessenheit geraten, damit die Geschichte vor allem von Jugendlichen erfahren, verstanden und weitergetragen werden kann. Dies wollen wir mit dem Projekt „Dörfer, Jugend, Geschichte – Jugendliche und Heimatforschende untersuchen gemeinsam das SED-Unrecht in ihrer Heimat“ (kurz: Jugend erinnert) erreichen.

Vermittlung historisch-politischer Bildung zum SED-Unrecht

Jugendliche werden im Projekt motiviert, sich mit der Geschichte am Beispiel des SED-Unrechts in ihren Heimatorten auseinanderzusetzen. Sie erfahren, dass in der Landwirtschaft als bedeutendem Wirtschaftszweig durch die SED einschneidende Veränderungen vollzogen wurden. Jugendlichen wird vermittelt, wie der ideologisch geprägte Wandel in der Heimat vor allem in dörflich- bzw. landwirtschaftlich geprägten Gebieten der ehemaligen DDR vonstattenging. Neben der Durchführung einer Reihe von außerschulischen Veranstaltungen zur Vermittlung historisch-politischer Bildung steht die Initiierung von Arbeitsgruppen aus Jugendlichen und Heimatforschenden in ausgewählten Dörfern und Kleinstädten im Fokus. Das Ergebnis dieser Arbeit wird sich in angefertigten Videosequenzen, Podcasts oder kleinen Ausstellungen widerspiegeln. Dabei werden Themen wie Enteignung von Grund und Boden, Berufsbildänderung, Kollektivierung, LPG, Stasi, Verfolgung usw. in den Fokus der Betrachtung gerückt.

Stärkung der Identifikation mit der Heimat

Mit Hilfe des Projektes wird bei den Jugendlichen das Interesse für das Thema der Erinnerungskultur an diesen geschichtlichen Umbrüchen geweckt. Im Besonderen stehen die speziellen Auswirkungen und Geschehnisse in ihrem Wohnort, ihrer Heimatregion im Blickpunkt. Dieses Hintergrundwissen um historische Ereignisse stärkt die Identifikation mit der Heimat, der Region und das demokratische Grundverständnis. Dies erhöht die Bleibeperspektiven für die Jugendlichen.

Beförderung eines Generationen-Verständnisses

In besonderem Maße werden in das Projekt Heimatforschende und die Zeitzeugen-Generation als Erfahrungsträger einbezogen, um die Generationen ins Gespräch zu bringen. Örtliche Zeitzeugen werden aktiv mit in das Projekt eingebunden, wodurch eine Authentizität des Projektes entsteht. Als Synergie ergibt sich, dass die in das Projekt involvierten Generationen voneinander partizipieren. Zeitzeugen vermitteln ihr umfangreiches Wissen um historische lokale Ereignisse. Junge Menschen zeigen (älteren) Heimatforschenden, wie historische Themen mittels moderner Medien und Formate interessanter und öffentlichkeitswirksamer dargestellt werden können.

Erarbeitung übertragbarer Impulse und Ansätze

Das Projekt arbeitet in zwei sächsischen Beispielregionen, diese sind die Lausitz (bestehend aus Landkreis Bautzen, sorbischem Siedlungsgebiet und angrenzender Gebiete) und das Leipziger Land (bestehend aus Landkreis Leipzig und angrenzender Gebiete). Der Austausch der Generationen wird als modellhaftes Element angewandt und als Impuls für eine Übertragbarkeit angeboten. Projektbegleitend werden Modellmodule entwickelt, die auch für andere Regionen und Themen analog angewandt werden können. Zudem werden Workshops und Exkursionen (z.B. Erinnerungsorte, Archive usw.) angeboten, bei denen sich Jugendliche und Zeitzeugen begegnen, Interviews führen und Ergebnisse besprechen.

Inhaltliche Umsetzung der Projektziele

Es werden Projektinformationsangebote zur Gewinnung von Jugendlichen als Projektteilnehmende durchgeführt und Kleingruppen initiiert. Diese treffen sich regelmäßig zum Austausch und arbeiten gemeinsam an einem konkreten lokalen Aufarbeitungsprojekt und werden von der Projektkoordination begleitet und unterstützt. Themen dafür könnten bspw. die Aufarbeitung der Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) sein oder dogmatische Vermittlung marxistisch-leninistisches Gedankenguts im Rahmen der Ausbildung zum Facharbeiter für landwirtschaftliche Produktion. Jugend-Geschichts-Werkstätten z.B. zu Themen wie Zeitzeugenbefragung oder Quellenstudium, Generationen-Werkstätten mit Jahresthemen: z.B. „Moderne Formate zur Präsentation von Geschichte“ oder „Jugend und Heimatforschung“, Kreativ-Workshops zur Vorstellung und zum Ausprobieren innovativer Formate zur Präsentation geschichtlicher Ereignisse sowie Exkursionen in Aufarbeitungsinstitutionen werden zur Umsetzung der Projektziele durchgeführt.

Nachhaltigkeit

Unter den Teilnehmenden kann das gegenseitige Verständnis zwischen den Generationen gestärkt werden. Das bei den Jugendlichen initiierte Interesse an der Geschichte ihres Heimatortes soll auch nach Projektende in den angeregten lokalen Kleinarbeitsgruppen längerfristig fortgeführt werden. Zur Nachhaltigkeit tragen die Dokumente wie der Blog, die „Kohrener Schriften“ und ein Handbuch bei. Als nachhaltig erweist sich eine stärkere Identifizierung mit der Heimat, der höhere historisch-politische Wissenstand zum SED-Regime bei den Jugendlichen sowie ein größeres Verständnis für andere Generationen.